Nein, nicht nur Anglizismen sind auf der Welt weit verbreitet, auch Entlehnungen aus dem Deutschen findet man in anderen Sprachen. Keineswegs nur die, die mit dem Dritten Reich zu tun haben, wie das Wort Führer, das zum Beispiel in englischsprachigen Wörterbüchern seinen Platz hat. Neben den populären Begriffen Weltschmerz, Zeitgeist und Gemütlichkeit, die in diversen Sprachen auftauchen, ist auch das Auto beliebtes sprachliches Exportprodukt. Rükverc bezeichnet im Ungarischen den Rückwärtsgang, die Autobahn hat man wiederum in Japan für sich entdeckt (アウトバーン, autobân). Leistungsorientiert, wie sie sind, haben die Japaner auch aurbaito (アルバイト), die Arbeit, in ihre Sprache integriert, dort im Sinne von Nebenbeschäftigung.

Den Franzosen gefiel der Börsenkrach besser, den sie als le krach übernommen haben. Genauso wie le vasistas. Da fragt sich der ein oder andere: »Was ist das?!« Das vasistas ist ein kleines Guck- oder Klappfenster in einer Tür oder einem Fenster.

Die Nachbarn in Polen fragen nicht »Was ist das?«, sondern »Wie heißt er?« – und bezeichnen mit dem Begriff wihajster erst einmal alles, was ihnen unbekannt vorkommt und ein kleines Werkzeug zu sein scheint. Ein Dingsbums also. Im Gegensatz zu den Japanern interessieren sie sich bei den Entlehnungen eher für den Feierabend denn für die Arbeit und haben auch den übernommen: Fajrant! heißt es dort am Ende des Arbeitstages. Neben dem hochsztapler für einen Betrüger und Hochstapler kennen sie wie viele andere europäische Völker auch den kicz (Kitsch). Auch der Freier ist in so mancher Sprache beheimatet, mal als gut aussehender Jüngling, mal als lässiger Typ und – wie in Polen – als Trottel (frajer). Und das ist kein vicc (ungarisch für Witz).

In Russland isst man gern; auch mal ein buterbrod (бутерброд). Doch ganz so karg dürfen Sie sich die Mahlzeiten der Russen nicht vorstellen. Das buterbrod ist kein simples Butterbrot, sondern ein belegtes Brot. Mit Schinken, Salami – oder was Ihnen sonst noch einfällt.

So, how about a slice of buttered bread, a bratwurst – or a wiener?

Andrea Kret, Deutschlektorin bei WIENERS+WIENERS