»Willsch au no an Wai?« – »Wat hest du seggt? Giff mi leever noch ’n Beer!« Wenn der Schleswig-Holsteiner mit dem Schwaben an der Hotelbar im Schwarzwald sitzt, müssen sich die beiden sicherlich des Öfteren in nonverbale Kommunikationsmittel flüchten. Denn die Dialekte der beiden unterscheiden sich gehörig. Dialekte – oder auch Mundarten – sind ein eigenes sprachliches System mit eigenen lautlichen und grammatikalischen Gesetzmäßigkeiten. Sie sind viel älter als unser Hochdeutsch, das erst 500 Jahre existiert und sich aus ihnen entwickelt hat. Sprachwissenschaftler unterteilen Deutschland in ein friesisches, nieder-, mittel- und oberdeutsches Sprachgebiet, in dem jeweils unterschiedliche Dialekte gesprochen werden – vom Nordfriesisch bis zum Alpenbairisch.

Regional unterschiedliche Begrüßungen wie moin, tach oder servus sind Ihnen vielleicht noch geläufig, aber wie sieht es mit weiteren Vokabeln aus? Wir haben Ihnen einige Schmankerl für Ihre nächste innerdeutsche Urlaubsreise zusammengestellt.

Brukst du een Huulbessen?
Das will Ihre Vermieterin wissen, nachdem Ihre Kinder den halben Nordseestrand in der Ferienwohnung verteilt haben. Nicht nur Ihnen ist zum Heulen zumute, auch dem Besen.
Huulbessen = heulender Besen = Staubsauger. Sehr plietsch, die Küstenbewohner.

Krijje Se doch d’r halve Hahn!
Will der Köbes Sie jetzt veräppeln? Sie haben ihm doch ausdrücklich erklärt, dass Sie Vegetarier sind … Ruhig Blut, ein halver Hahn ist eine fleischlose rheinländische Spezialität, die aus einem Röggelchen, Butter, mittelaltem Gouda und Senf besteht.

Oh! Floddr Oddoh?
Wenn Sie zu lange auf der Restauranttoilette in der Oberlausitz verbracht haben, könnte Ihnen diese Frage gestellt werden. Floddr Oddoh ist das sächsische Pendant zu flotter Otto, auch bekannt als schnelle Kathrin oder stinknormaler Durchfall.

Man, liejen hier fille Klamotten rum!
Der Mann vor Ihnen hat Mühe, den holprigen Weg an der Spree zu bewältigen, aber deswegen wird man doch nicht gleich Halluzinationen bekommen … Hat er auch nicht, die Berliner sind sehr kreativ und schenken dem allseits bekannten Wort Klamotten noch zwei weitere Bedeutungen: schwere Steine und alte Filme.

Machenses hibsch!
Hört sich an wie: »Machen Sie es hübsch«, hat aber nichts mit Ihrem Anliegen beim Friseur zu tun. Wer in Sachsen diesen Ausdruck vernimmt, wird gerade verabschiedet: »Lebe wohl!«

Gibsch mo mol bidde des Himbärgsälz?
Morgens, 8.30 Uhr, im Ländle … Ihnen raucht der Kopf. Was will sie auf ihrem Weckle? Himbeersalz? Sie scannen den Frühstückstisch weiter … und entscheiden sich richtig, es ist die Himbeermarmelade.

Madl, lass uns des Brunzgschirr zammstecka!
Nein, der fesche Allgäuer möchte nicht zusammen mit Ihnen den Tisch für den Brunch decken. Er hegt ganz andere Absichten und ist ziemlich direkt. Brunzgschirr bedeutet nämlich auf Bairisch männliche und weibliche Geschlechtsteile.

Vielleicht inspiriert Sie unser kleiner Ausflug in die Welt der Dialekte ja dazu, sich den ein oder anderen Grundwortschatz anzueignen und Ihre innerdeutschen Fremdsprachenkenntnisse etwas aufzubessern. Wir wünschen viel Freude dabei …