Ein Geburtstagsgespräch mit Hermann Wendelstadt

Stahl und Sprache leben von Legierungen, anwendungsbezogenen Bestandteilen also. Diesen aus dem Stahlreport zitierten Vergleich hält Hermann Wendelstadt für einen durchaus guten Ansatz, um auch dieser Branche Dienstleistungen seines Unternehmens näherzubringen. WIENERS+WIENERS berät zu Texten – und deshalb ist zum Jubiläum dieser Fachzeitschrift erstmals ein solches Heft am Firmensitz in Ahrensburg angekommen, lag bei dem Geburtstagsgespräch auf dem Tisch.

Nein, die künftigen Ausgaben des 70 Jahre alten Stahlreport werden nicht von der WIENERS+WIENERS GmbH korrigiert, obwohl das durchaus in das Leistungsportfolio des Unternehmens passen würde, das seit einem Vierteljahrhundert auf den Märkten unterwegs ist.

»Sie nutzen STAHLREPORT ja schon für Ihre Corporate Identity«, sagt Hermann Wendelstadt und zeigt auf das jüngste Titelblatt, das bei dem Geburtstagsgespräch in Ahrensburg bei Hamburg auf dem Tisch liegt. Trotz dieses kreativen Credos, das am Firmensitz ein 60-köpfiges Team und weltweit rund 1.000 freie Mitarbeiter umsetzen, gibt sich der geschäftsführende Gesellschafter überzeugt, dass nur die Beachtung von Regeln möglicherweise entstehendes Chaos begrenzen kann.

»Googeln« und den »Duden« nennt Hermann Wendelstadt in diesem Zusammenhang – und eine Zahl: »Seit Gründung unseres Unternehmens ist der deutsche Sprachschatz um rund ein Drittel gewachsen.« (Ähnlich inflationäre Tendenzen kennt man auch von den Stahlsorten.) Trotzdem meinen viele seiner potenziellen Kunden, beim Texten ohne Hilfe auskommen zu können, nur in ihre Produkte bzw. Dienstleistungen investieren zu müssen und nicht in die optimale Kommunikation darüber. »Nice to have«, hört man vor diesen Hintergründen bei WIENERS+WIENERS häufiger, wo auch viel übersetzt wird; in rund 70 Sprachen übrigens.

Eine gelungene Prüfungskommunikation – und damit schließt sich in diesem Schwerpunkt einmal mehr der Kreis um Information bzw. Bildung – erfolgt für Hermann Wendelstadt übrigens auch in einer Art Fremdsprache. »Was will der jetzt eigentlich von mir wissen?« Dieses Aufstöhnen des Prüflings, der verständnislos sein Gegenüber anstarrt, muss ja nicht unbedingt die Folge von Wissenslücken sein.

»Übersetzen Adaptieren Korrigieren« hat Hermann Wendelstadt auf seiner Firmenkarte stehen. Richtig, über das Adaptieren ist bisher noch gar nicht gesprochen worden. Dabei ist die Anpassung – nicht nur von Sprache – derzeit ein ganz wichtiges Thema. Allein schon die Digitalisierung, die derzeit in aller Munde ist, macht dies deutlich. Elektronische Kommunikation erfordert die Beachtung anderer Sprachregeln – und vielleicht auch eine professionelle Beratung.

Autor: Dr. Ludger Wolfgart, Chefredakteur Stahlreport
Erschienen in 36 Stahlreport 9|15